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Die Geschichte des HEIGO-Porsches

1979/1980: Rückblick

1979 erfüllt sich Dieter Röscheisen einen Jugendtraum. Mit Freunden baut er einen eigenen Rallye-Porsche auf, um damit in der Saison 1980 – zuerst mit Rudi Rieger aus Göppingen und ab Mitte der Saison mit Klaus Hesse aus Kitzingen – bei verschiedenen nationalen und internationalen Rallyes an den Start zu gehen.

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Für das Design war der Engländer Ginger Ostle zuständig. Eine Doppelgarage wurde für den Aufbau zur Werkstatt umfunktioniert.

Als Dieter Röscheisen damals wegen Sponsoring bei uns in Kist anfragte, haben wir sofort zugestimmt; denn das Projekt schien sehr interessant zu sein. Dies war die Geburtsstunde des „HEIGO-Porsches“.
Wir ahnten damals noch nicht, dass dieses Auto Jahre später noch eine ganz besondere Geschichte schreiben würde. Präsentiert wurde der HEIGO-Porsche bei der CMT-Messe in Stuttgart im Januar 1980.

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Präsentation bei der CMT in Stuttgart

Stolz präsentiert Dieter Röscheisen den neu aufgebauten HEIGO-Porsche.

Die Saison war lang und teuer. Ende des Jahres waren die Pokalvitrinen von Röscheisen und Hesse zwar gut gefüllt, das Budget aber komplett aufgebraucht.

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Sprung auf Platz 1 bei der Int. Rallye Unterfranken

Klaus Hesse u. Dieter Röscheisen 1980

Walter Röhrl wurde 1980 zusammen mit Christan Geistdörfer auf Fiat 131 Abarth, zum ersten Mal Rallye-Weltmeister. Auf der WM-Feier in Regensburg, stellte Röhrl Dieter Röscheisen einen englischen Rallyefahrer vor, der auf der Suche nach einem Rallye-Porsche war. Da die Gelder aufgebraucht waren und für eine weitere Saison kein größerer Sponsor in Sicht war, musste der HEIGO-Porsche schweren Herzens verkauft werden. Am 21. Dezember 1980 wurde das Auto bei Roth-Rallye-Sport in Würzburg besichtigt und anschließend der Kaufvertrag unterzeichnet.

Der neue Besitzer wollte damit in der Saison 1981 verschiedene Europa-Meisterschaftsläufe bestreiten. Er kam mit dem schwer zu fahrenden Porsche  aber nicht zurecht, mehrere Unfälle waren die Folge. Dabei wurde das Auto jedes Mal stark beschädigt, beim letzten Crash angeblich so stark, dass ein Wiederaufbau zu teuer gewesen wäre. Danach verlor sich die Spur...

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Dies war das einzige Unfallfoto das wir von England erhalten haben, hier war der Schaden offensichtlich noch nicht so groß ...

 

2005: Das Porsche Museum bringt den HEIGO-Porsche als Sondermodell im Maßstab auf den Markt.

25 Jahre nach dem Verkauf hatte dann das Porsche Museum die Idee, den HEIGO-Porsche als Modellauto im Maßstab 1:43 in limitierter Auflage von 300 Stück auf den Markt zu bringen.

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Wurden nur im Porsche Museum verkauft:
Die 1:43 Modelle des DODUCO- und HEIGO-Porsches, die hier von ihren früheren Fahrern Dieter Röscheisen und Walter Röhrl stolz präsentiert wurden.

Zusammen mit dem DODUCO-Porsche, den Dieter Röscheisen 1981 für Walter Röhrl gebaut hatte, nachdem dieser mit einem langfristigen Mercedes-Vertrag ausgestattet, als amtierender Weltmeister, plötzlich ohne Auto dastand. Der Vorstand beschloss den Rückzug aus dem Rallye-Sport und Röhrl war plötzlich arbeitslos. Dank der Unterstützung von Dieter Röscheisen und weiteren Freunden konnte die Zeit überbrückt werden, bis ihm Porsche zwei Werksautos zur Verfügung stellen konnte. Der 1:43 Doduco-Porsche war auf 700 Stück limitiert, innerhalb von 3 Wochen waren alle beiden Modelle vergriffen.

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Walter Röhrl/Christian Geistdörfer bei der Int. Manx Rallye auf der Isle of Man (li.)
und bei einem Pressetermin vor der Mainbrücke in Würzburg

 

2009: die Widerauffindung des Originalautos

Im November 2009 klingelte bei Dieter Röscheisen das Telefon. Am anderen Ende ein ihm bis dahin unbekannter Engländer mit dem Namen Steve Davies.
Davies hatte 1999 einen unfallbeschädigten Rallye-Porsche erworben, der damals im „Rothmans-Design“ lackiert war. Er lies in reparieren und fuhr damit anschließend 10 Jahre lang in England historische Rallyes. Die zehn „Rallye-Jahre“ und natürlich auch die Zeit davor, hatten dem Porsche stark zugesetzt. 2009 stand dann eine Generalüberholung an. Davies lies das Auto bei Sweep Motorsport komplett zerlegen und den Lack entfernen um ihn wieder neu aufzubauen. Ohne Lack kamen dann plötzlich verschiedene verschweißte Bohrungen zu Tage, die auf eine motorsportliche Vorgeschichte hindeuteten. Steve Davies wollte diese Vorgeschichte unbedingt herausfinden und begann mit einer aufwändigen Spurensuche. Über die Produktions- und Fahrgestellnummer und dank tatkräftiger Unterstützung von Porsche England und dem Porsche Vertrieb in Deutschland, konnte die Spur dann zurückverfolgt werden. Auch Walter Röhrl wurde in die Spurensuche mit einbezogen. Er war es dann auch, der den entscheidenden Tipp und die Telefonnummer von Röscheisen an Steve Davies weitergab.
Dieter Röscheisen suchte nach seinen alten Unterlagen, überprüfte die Nummern, die er von Davies übermittelt bekam und konnte ihm anschließend bestätigen, dass er im Besitz des ehemaligen HEIGO-Porsches war. „Yes it is the car, and now I know the story ...“, das waren die ersten Worte von Steve Davies. Er war total begeistert, dass es ihm gelungen war, dies nach so langer Zeit alles herauszufinden. Spontan hatte er die Idee den Porsche in den Ursprungszustand zurückzuversetzen und bat Röscheisen deshalb um alte Fotos von 1980, um Lackierung und Sponsorenaufkleber exakt nachzubilden. Dies gelang ihm auch ganz gut und fast exakt 30 Jahre nach dem Verkauf, erstrahlte das Auto nun wieder in dem wunderschönen ursprünglichen „HEIGO-Design“ und erfreut seitdem viele Zuschauer bei klassischen Rallyes auf der Insel.

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Generalüberholung und Rückbau in den Ursprungszustand bei Sweep Motorsport in England.

Die Präsentation fand bei der Race Retro in Coventry statt, bei der auch Röscheisen anwesend war. Nach ausgiebiger Betrachtung durfte er in seinem ehemaligen Renner zwei Wertungsprüfungen auf dem für ihn ungewohnten Beifahrersitz mitfahren. Mehrere englische Magazine und TV-Teams berichteten danach über die mit Sicherheit einmalige Story dieses Rallye-Autos.

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Race Retro in England: v. li. Steve Davies, Rallye-Weltmeister Stig Blomqvist aus Schweden und Dieter Röscheisen

 

2010/2011:  Neuaufbau und Testfahrten

Durch diese Presseberichte auf die Idee gebracht sollte bei uns nach Röscheisens alten Unterlagen ein zweiter HEIGO-Porsche entstehen, neu aufgebaut auf einer Rohkarosse, die schon seit mehreren Jahren ohne Verwendung in der Werkstatt stand.

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Lange Zeit ohne Verwendungszweck: die Rohkarosse in unserer Werkstatt in Süßen

Dieter Röscheisen war von dieser Idee begeistert! Er setzte sich umgehend mit seinen früheren Sponsoren in Verbindung, denn das Projekt musste ja auch irgendwie finanziert werden. Wir stimmten erneut zu; denn auch wir waren von der Idee begeistert. Danach ging dann alles sehr schnell: Rafael Diez, Dieter Röscheisen und wir waren uns einig, diese tolle Idee muss unbedingt umgesetzt werden. „Das Auto soll schöner und besser werden, als das Original jemals war", so unser hochgestecktes Ziel.

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Neuaufbau bei HEIGO in Kist (links) und bei DIEZ-Classic in Süßen.

Ein Jahr danach war das Ziel dann erreicht: Beim Solitude Revival im Juli 2011 wurde der „neue“ HEIGO-Porsche vor ca. 20.000 Zuschauern präsentiert. Dieter Röscheisen fühlte sich in das Jahr 1980 zurückversetzt, als er in das Auto stieg um auf dem legendären Solitude-Ring vor den Toren Stuttgarts, einstmals weltweit nicht weniger berühmt als der Nürburgring, ein paar Runden zu drehen. Der 125-jährige Geburtstag des Automobils machte dies möglich. Anlässlich der Veranstaltungsreihe „Automobilsommer 2011“ durfte die gesamte ehemalige Formel-1-Rennstrecke nach 46 Jahren erstmals wieder mit Renn- und Rallye-Fahrzeugen befahren werden. Natürlich eine tolle Plattform, um dieses einmalige Auto zu präsentieren.

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Demonstrationsrunden vor 20. 000 begeisterten Zuschauern beim Solitude Revival

Im Herbst folgten dann die ersten Testfahrten:

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Erinnerungen an gute alte Zeiten: Dieter Röscheisen und Klaus Hesse beim Test auf Schotter.

Im Oktober wurde mit Dieter Röscheisen und Klaus Hesse eine Schotterabstimmung erarbeitet  und im November testete Walter Röhrl verschiedene Dämpferabstimmungen auf Asphalt.

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Der Chef schraubt persönlich:
Rafael Diez beim Wechseln der Stoßdämpfer

Unser Testteam:
v. li. Dieter Röscheisen, Rafael Diez und Walter Röhrl

 

 2012: die erste Saison mit dem neuen Auto

„Der HEIGO-Porsche soll auch in Zukunft nicht nur auf Messen gezeigt, sondern auch bei Classic-Rallyes eingesetzt werden“, so unsere Ankündigung bei der Präsentation. Erste Station 2012 war die Messe „Retro Classics“ in Stuttgart.

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Unser Messestand in Stuttgart

Danach folgte die erste Fahrveranstaltung, beim „Bergtag“ der Langenburg Historic. Dieter Röscheisen, mit Ehefrau Andrea auf dem Beifahrersitz, ließ den HEIGO-Porsche insgesamt viermal auf der „Bergrennstrecke“ von Bächlingen zum Schloss Langenburg so richtig fliegen und bekam dafür viel Beifall von den Zuschauern.

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Startaufstellung in Bächlingen.

Nach der Zieldurchfahrt in Langenburg

Da uns Bilstein auf Wunsch von Walter Röhrl nochmals neue Stoßdämpfer gebaut hatte, sind wir zwischendurch nach 2 Tage zum Testen auf den Red Bull Ring nach Österreich gefahren. Neben den neuen Dämpfern konnten wir dort auch noch verschiedene Fahrwerkseinstellungen und neue Reifenmischungen ausprobieren. Bei herrlichem Wetter konnte Röhrl mit dem HEIGO-Porsche viele schnelle Runden  drehen und war anschließend mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

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Walter Röhrl und Christian Geistdörfer zum ersten Mal gemeinsam im HEIGO-Porsche unterwegs,
bei den Testfahrten auf dem Red Bull Ring.

An Pfingsten folgte dann die Sachs Franken Classic. In Bad Kissingen ging der 56 Jahre alte Porsche-Testfahrer/Versuchstechniker Dieter Röscheisen mit seinem früheren Kitzinger Beifahrer Klaus Hesse an den Start, 32 Jahre nachdem sie zusammen den HEIGO-Porsche bei der Int. Sachs Rallye Unterfranken 1980 auf den 1. Platz gesteuert hatten. Der Würzburger Main Post war diese einmalige Geschichte eine ganze Seite in ihrem Samstags-Magazin wert.

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Röscheisen/Hesse auf dem Stadtrundkurs in Schweinfurt

Zieleinlauf nach harten 500 Rallye-Kilometern in Bad Kissingen

Bei dieser Veranstaltung kam auch unser neuer Anhänger zum ersten Mal mit dem Bild vom "HEIGO-Porsche" zum Einsatz. Freundlicherweise wird er uns von der Firma Rolf Schmitt zur Verfügung gestellt.

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Zu einem perfekten Rallye-Auto gehört auch ein toller Anhänger.

Beim Eifel Rallye Festival in Daun übernahm dann der 2-fache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl das Lenkrad. Den 40.000 begeisterten Zuschauern bot er mit dem von unserem Team wieder perfekt vorbereiteten HEIGO-Porsche eine grandiose Show und zeigte allen, dass er auch im Alter von 65 Jahren noch nichts verlernt hat und ein Rallye-Auto noch immer extrem schnell bewegen kann. Aber nicht nur die Zuschauer hatten große Freude daran, sondern auch Röhrl selbst. „Das hier macht mich 25 Jahre jünger“, so die Antwort Röhrls auf die Frage eines Journalisten, wie ihm das Auto und die Veranstaltung denn gefallen würde. Freudestrahlend entstieg er dann dem Porsche und war sofort von einer großen Menschenmasse umlagert. Mit Engelsgeduld schrieb er Autogramme und lies sich mit den Fans fotografieren - ein echter Vollprofi eben.

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Unser Team beim Eifel Rallye Festival

Walter Röhrl lies den HEIGO-Porsche auch auf Schotter richtig fliegen.

Als nächstes stand der AvD-Oldtimer Grand-Rix auf dem Nürburgring auf dem Programm. Dort konnte das Fahrzeug bei Bilstein im Fahrerlager bewundert werden.

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Bilstein-Stand im Fahrerlager am Nürburgring

Am letzten August-Wochenende folgte dann der nächste Einsatz von Walter Röhrl auf dem legendären HEIGO-Porsche. Bei der AVD-Niederbayern-Rallye – einem Lauf zur Deutsche Rallye Serie 2012 – startete er als Null-Fahrzeug unmittelbar vor dem Feld. Den heißen Sitz neben dem 2-fachen Rallye-Weltmeister durfte dort Klaus Hesse, der frühere Beifahrer von Dieter Röscheisen, einnehmen. „Das ist ein Traum, mit Sicherheit das Highlight meiner langen Rallye-Karriere“, so die erste Reaktion des Kitzingers.

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Gute Laune bei unserem Team in Niederbayern:
Röhrl/Hesse fuhren sensationelle Zeiten mit dem Oldie.

Dass es Röhrl auch mit seinen 65 Jahren locker noch mit den jungen Wilden aufnehmen kann, zeigte sich nach dem Eifel Rallye Festival nun auch im Bayrischen Wald. Ruben Zeltner, der im bärenstarken Porsche 911 GT3 seinen Vorjahressieg locker wiederholte, ist bei der ersten Wertungsprüfung (WP 1) gerade mal ein Hundertstel schneller als Röhrl – alle anderen sind langsamer. Technisch sind die aktuellen Rallye-Autos weit voraus: „Eine Sekunde pro Kilometer“ hatte Röhrl bei Tests selbst herausgefunden. Vierliter-Motor, weitaus mehr Leistung, sequentielles Getriebe und ABS, das sind nur einige Merkmale, die diesen Wert ausmachen. In WP 2 sind nur der Gesamt-Zweite Olaf Dobberkau, ebenfalls in einem aktuellen Porsche GT3, und Zeltner schneller als Röhrl. Bei WP 3, eine mit vielen schnellen und langen Passagen, sind es die 5 Besten, allesamt mit einem Porsche GT3. „Wenn es eng ist, mit vielen Kurven, lässt sich die Sekunde reinfahren, bei schnellen Prüfungen funktioniert das aber leider nicht.“ Fürs Podest hätte es für Röhrl/Hesse, zusammen 130 Jahre alt, mit einem 32 Jahre alten Oldtimer aber allemal gereicht – der Veranstalter hatte von daher bewusst und zu Recht darauf verzichtet, die offiziellen Zeiten des Vorausfahrzeugs zu veröffentlichen.
Die jungen Wilden wissen auch so, dass Röhrl fahrerisch eine Liga für sich ist. Der 65-jährige hält sich an eine einfache Formel. „Ich habe immer gesagt: Wenn einer mit dem gleichen Auto mal schneller ist als ich, dann wird es Zeit aufzuhören.“

Der Saisonabschluss fand dann wieder in einer Messehalle statt, bei der Int. Motor Show Luxembourg, wo neben den Teammitgliedern auch Walter Röhrl und Christian Geistdörfer anwesend waren. Beide haben Interesse bekundet, den HEIGO-Porsche auch in der kommenden Saison an den Start zu bringen...

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